Posts mit dem Label Bibelauslegung und Bibelwissen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bibelauslegung und Bibelwissen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 20. August 2019

Die Neue-Welt-Übersetzung und Rettung allein aus Gnade (sola gratia)


Jehovas Zeugen glauben nicht an Rettung allein aus Gnade. Der Wachtturm-Studienartikel vom 01.06.2005 trägt bspw. den Titel "Gerettet durch unverdiente Güte, nicht allein durch Werke", während Paulus z.B. auch in Römer 3:23, 24 sagt, dass der Christ "ohne Verdienst", nicht wegen seiner Werke, gerettet ist und in Epheser 2:8, dass es nicht aus Werken ist. 

Es ist der Hauptpfeiler des biblischen Evangeliums, dass Gott uns nicht zusätzlich zu unseren Werken aus Gnade gerettet hat, sondern allein aus Gnade. Er hat nichts Besonderes im wiedergeborenen Christen erkannt, das ihn besser hätte dastehen lassen, als es andere Menschen tun. "Jehovas Zeugen" hingegen glauben daran, dass Gott in jedem Menschen, den er zu "seiner Organisation führte", etwas Wertvolles erkannt hätte, das andere Menschen nicht hätten (auch in Formulierungen wie solchen wird die Organisation an einen Platz gestellt, der nur Jesus gebührt, denn die Bibel sagt, wir müssen zu Jesus kommen, nicht zu einer Religion oder Organisation).
Ist denn mein Verständnis vom Evangelium biblisch? Im Folgenden habe ich die m.E. klarsten Bibelstellen, zum Thema zusammengestellt, kategorisiert nach (1) Stellen, in denen die Neue-Welt-Übersetzung die Rettung allein aus Gnade verschleiert und (2) Stellen, in denen man auch in der Neuen-Welt-Übersetzung die Rettung allein aus Gnade erkennen kann (wenngleich oft durch etwas eigentümlich anmutende Wortwahl). Ich zitiere jeweils aus der Schlachterübersetzung, der NWÜ 2017 und der NWÜ 1986;


Stellen, in denen in der Neuen-Welt-Übersetzung die Rettung allein aus Gnade unterdrückt wird



Johannes 5:24

„24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen.“
- Schlachter 2000

„Eins steht fest: Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und wird nicht verurteilt, sondern ist vom Tod zum Leben hinübergewechselt.“
- NW 2017 (Neue-Welt-Übersetzung Version von 2017)

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben, und er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod zum Leben hinübergegangen.“
- NW 1986 (Neue-Welt-Übersetzung Version von 1986)


1. Thessalonicher 5:9, 10

„9 Denn Gott hat uns nicht zum Zorngericht bestimmt, sondern zum Besitz des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus, 10 der für uns gestorben ist, damit wir, ob wir wachen oder schlafen, zusammen mit ihm leben sollen.“
- Schlachter 2000

„Gott hat uns nämlich nicht dazu bestimmt, seinen Zorn zu verspüren, sondern durch unseren Herrn Jesus Christus gerettet zu werden. 10  Er ist für uns gestorben, damit wir, ob wir wach bleiben oder schlafen, mit ihm zusammen leben.“
- NW 2017

„denn Gott hat uns nicht zum Zorn bestimmt, sondern zum Erwerben der Rettung durch unseren Herrn Jesus Christus. 10  Er ist für uns gestorben, damit wir, ob wir wach bleiben oder entschlafen sind, mit ihm zusammen leben sollten.“
- NW 1986


Stellen, in denen in der Neuen-Welt-Übersetzung (Version 2017) die Rettung allein aus Gnade sichtbar ist


Epheser 2:8, 9

„8 Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch — Gottes Gabe ist es; 9 nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“
- Schlachter 2000

„8  Dank dieser unverdienten Güte seid ihr durch Glauben gerettet worden. Und das habt ihr nicht euch selbst zu verdanken, sondern es ist ein Geschenk von Gott. 9  Nein, es ist nicht Taten zu verdanken, damit kein Mensch Grund hat, sich zu rühmen.“
- NW 2017

„8  Durch diese unverdiente Güte seid ihr tatsächlich durch Glauben gerettet worden; und dies habt ihr nicht euch zu verdanken, es ist Gottes Gabe. 9  Nein, es ist nicht Werken zu verdanken, damit kein Mensch Grund zum Rühmen habe.“
- NW 1986


Titus 3:4-7

„4 Als aber die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschien, 5 da hat er uns — nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hätten, sondern aufgrund seiner Barmherzigkeit — errettet durch das Bad der Wiedergeburt und durch die Erneuerung des Heiligen Geistes1, 6 den er reichlich über uns ausgegossen hat durch Jesus Christus, unseren Retter, 7 damit wir, durch seine Gnade gerechtfertigt, der Hoffnung gemäß Erben des ewigen Lebens würden.“
- Schlachter 2000

„4  Als jedoch die Güte Gottes, unseres Retters, und seine Liebe zur Menschheit offenbar wurden 5  (nicht weil wir irgendwelche gerechten Taten vollbracht hatten, sondern wegen seiner Barmherzigkeit), rettete er uns durch das Bad, das uns zum Leben brachte, und durch unsere Erneuerung durch heiligen Geist. 6  Diesen Geist goss er durch Jesus Christus, unseren Retter, reichlich über uns aus, 7  damit wir, nachdem wir durch seine unverdiente Güte für gerecht erklärt worden sind, das ewige Leben erben, auf das wir hoffen.“
- NW 2017

„4  Als jedoch die Güte und die Liebe zum Menschen auf seiten unseres Retters, Gottes, offenbar wurde, 5  rettete er uns, nicht zufolge von Werken, die wir in Gerechtigkeit vollbracht hätten, sondern gemäß seiner Barmherzigkeit durch das Bad, das uns zum Leben brachte, und durch unsere Erneuerung durch heiligen Geist. 6  Diesen [Geist] goß er durch Jesus Christus, unseren Retter, reichlich über uns aus, 7  damit wir, nachdem wir kraft dessen unverdienter Güte gerechtgesprochen worden sind, Erben würden gemäß einer Hoffnung auf ewiges Leben.“
- NW 1986


2. Timotheus 1:9

„9 Er hat uns ja errettet und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde“
- Schlachter 2000

„9  Er hat uns gerettet und uns mit einer heiligen Berufung berufen, aber nicht wegen unserer Taten, sondern weil es sein Wille war und aus unverdienter Güte. Diese wurde uns in Verbindung mit Christus Jesus schon vor langen Zeiten geschenkt,“
- NW 2017

„Er hat uns gerettet und uns mit einer heiligen Berufung berufen, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und unverdienter Güte. Diese wurde uns in Verbindung mit Christus Jesus vor langwährenden Zeiten verliehen,“
- NW 1986

  
Römer 3:23, 24

„denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, sodass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade 6 aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist.“
- Schlachter 2000

„Schließlich haben alle gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes. 24  Doch als Geschenk werden sie durch seine unverdiente Güte für gerecht erklärt aufgrund der Befreiung durch das von Christus Jesus bezahlte Lösegeld.“
- NW 2017

„Denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes, 24  und als freie Gabe werden sie durch seine unverdiente Güte gerechtgesprochen aufgrund der Befreiung durch das von Christus Jesus [bezahlte] Lösegeld.“
- NW 1986


Römer 11:6

„Wenn aber aus Gnade, so ist es nicht mehr um der Werke willen; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade; wenn aber um der Werke willen, so ist es nicht mehr Gnade, sonst ist das Werk nicht mehr Werk.“
- Schlachter 2000

„Wenn es nun aus unverdienter Güte ist, dann ist es nicht mehr aufgrund von Taten. Sonst wäre die unverdiente Güte nicht mehr unverdiente Güte.“
- NW 2017

„Wenn es nun durch unverdiente Güte ist, ist es nicht mehr zufolge von Werken; sonst erweist sich die unverdiente Güte nicht mehr als unverdiente Güte.“
- NW 1986


1. Johannes 5:11-13

„11 Und darin besteht das Zeugnis, dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. 12 Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. 13 Dies habe ich euch geschrieben, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, und damit ihr [auch weiterhin] an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.“
- Schlachter 2000

„11  Und darin besteht das Zeugnis: dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. 12  Wer mit dem Sohn verbunden ist, hat dieses Leben. Wer nicht mit dem Sohn Gottes verbunden ist, hat dieses Leben nicht. 13  Ich schreibe euch das alles, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, ihr, die ihr an den Namen von Gottes Sohn glaubt.“
- NW 2017

„11  Und darin besteht das gegebene Zeugnis, daß Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. 12  Wer den Sohn hat, hat dieses Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat dieses Leben nicht. 13  Ich schreibe euch diese Dinge, damit ihr wißt, daß ihr ewiges Leben habt, ihr, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.“
- NW 1986

Freitag, 25. Januar 2019

Was lehrt die Bibel über den Tod und den Zustand der Toten?

Folgende Abhandlung ist entstanden, als sich ein Bruder rein anhand der Bibel mit dem Thema "Zustand der Toten" beschäftigt hat. An vielen Stellen merkt man, dass er aus der Sicht eines mit der Lehre der Zeugen Jehovas Vertrauten geschrieben ist. Nichtsdestotrotz rein anhand von Bibelstellen argumentiert und ist so für jeden Wahrheitssucher nützlich. Offensichtlich spricht die Bibel eine klare Sprache zu dem Thema. Auch inwieweit in Gottes Augen Ungerechte Menschen eine zweite Chance bekommen und inwieweit der Tod ein schlafähnlicher Zustand sei. Die Abhandlung ist außerdem in gedruckter Form an manchen bibeltreuen Informationsständen in deutschen Innenstädten erhältlich. Man sollte eigentlich meinen, dass man hunderte Seiten dicke Bücher über die Aussagen der Bibel zum Zustand der Toten schreiben könnte. Aber de facto gibt es nur die nachfolgend genannten 35-40 Bibelstellen, die darüber sprechen. Mehr eindeutige Stellen gibt es nicht in der Bibel. Eine PDF-Version des Artikel ist hier abrufbar.

Was sagt die Bibel über den Tod und den Zustand der Toten?


Ist der Tod ein schlafähnlicher Zustand, wie es Salomo (Prediger 9) und Jesus (Joh. 11) anzudeuten scheinen?

Ist der Tod identisch mit Nichtexistenz oder existiert etwas nach dem körperlichen Tod weiter?



Wenn nicht anders vermerkt zitiert aus der Schlachter-Übersetzung (SCH2000)

I. Was bezeichnet die Bibel als „Seele“?

Montag, 2. April 2018

Warum identifizierte Gott in 1. Samuel 14,42 Jonathan als den Schuldigen und nicht Saul? (Theologische Frage des Tages Nr. 7)

Theologische Frage des Tages Nr. 7

Illustration aus Cook, D.C.: The Action Bible,
Eastbourne, 1. Auflage 2010, S. 267 
1. Samuel 14:42 – Warum wurde Jonathan als schuldig identifiziert? War nicht vielmehr Saul schuldig?

Es erscheint doch mehr als komisch, warum Gott das Los auf Jonathan und nicht auf Saul fallen ließ. Wie kann diese Begebenheit diesbzgl. erklärt werden?

Zusammenfassung der Situation: Saul erlegt zunächst dem Volke auf, dass es bis zum Sieg über die Philister nichts essen sollen. Jonathan, der davon nichts mitbekommen hat, isst eine handvoll Honig. Als Saul Gott zu dem weiteren Vorgehen bzgl. der Philister befragt antwortet dieser nicht. Saul befragt daraufhin Gott, wer der Schuldige sei, der sich gegen den Herrn versündigt habe, verbunden mit dem Schwur, dass er denjenigen töten wird, selbst wenn es sein Sohn sei. Durch das Los wird Jonathan als schuldig gekennzeichnet. Saul will ihn töten, das Volk hält ihn jedoch davon ab, da es sich hinter Jonathan stellt, von dem sie sich sicher sind, dass Gott mit ihm ist.

Zitat aus MacDonald: "Kommentar zum AT":
„14,43-46 Jonatan erklärte, was passiert
war, und Saul befahl, um sein Gesicht
zu wahren, ihn zu töten. Aber das Volk
hatte mehr Verstand als ihr König. Hatte
Jonatan nicht mit Gott diesen großen
Sieg errungen? Wie konnte Gott über
ihn böse sein, weil er den Befehl Sauls
missachtet hatte, wo Gott ihn doch so
wunderbar in der Schlacht gebraucht
hatte? Nein, Jonatan sollte nicht sterben.
So wurde dem Helden ein unverdienter
Tod erspart. Aber während Saul
sich mit solch unwichtigem Kleinkram
beschäftigte, flohen die Philister. Zum
zweiten Mal hatte sein Mangel an Weisheit
den Sieg verringert.“
Offensichtlich identifizierte Gott Jonathan als denjenigen, der den Eid brach, nicht als denjenigen, weshalb er nicht antwortete. Dadurch hätte Saul klar werden können, dass es SEINE voreiligen Entscheidungen waren, die zu dem Verlust führten und nicht Jonathans Schuld. Dies erkannte er jedoch nicht – vielmehr wollte er Jonathan töten. Durch das Volk bewahrte Gott Jonathan vor dem Tode.

Sonntag, 25. März 2018

Die Eroberung Jerichos in der Bibel - Mythos oder Geschichte?

Biblischer Jericho-Bericht
Gemäß der Bibel ließ Gott die Mauern Jerichos auf übernatürliche Weise einstürzen, so dass sein auserwähltes Volk diese Stadt bzw. Befestigung dann erobern konnte. Kaum ein biblischer Bericht ist von seiner Historizität umstrittener. Spricht wirklich alles dagegen, dass damals etwas Übernatürliches passierte?

"Ob absichtlich oder nicht - die Bibel irrt. Jericho hat es zur Zeit der angeblichen Schlacht gar nicht gegeben. Der Ort war unbesiedelt. Bis heute gibt es keinen archäologischen Beleg für die Zerstörung der berühmten "Mauern von Jericho" durch Josua im 13. Jahrhundert v. Chr.", so tönt ein Bericht von National Geographic. Stimmt das? Ist das Jericho ein Beispiel für eine märchenhafte Erzählung, die so nie stattgefunden haben kann und für die es keinerlei Indizien in der Archäologie gibt?

In einschlägiger bibelkritischer Literatur, teils auch in Bibelatlanten und -lexika, die auf den ersten Blick eigentlich nicht so wirken, als hätten sie zum Ziel, den Inhalt der Bibel infrage zu stellen, findet man zahlreiche Abhandlungen darüber, dass der Bibelbericht wenig historische Grundlage habe. Als Vorbemerkung sei erwähnt, dass dies seit der Zeit der Aufklärung schon vielfach in Bezug auf Bibelberichte behauptet wurde - oftmals wurde die säkulare Forschung eines Besseren belehrt, z.B. als archäologische Belege für die biblischen Personen Bileam und Belsazar gefunden wurden, die man vorher als eindeutig erfundenes Märchen deklarierte. Könnte es sein, dass es so auch mit dem Bericht über Jericho ist?

In Fritz Rieneckers Lexikon zur Bibel finden wir unter dem Stichwort Jericho z.B. folgende Informationen:
"Andere Forscher, die der konventionellen Chronologie und der Frühdatierung folgen, verweisen auf neue Keramikuntersuchungen, die eine Besiedlung J[ericho]s bis um 1400 v.Chr. belegen sollen. Dann sei J[ericho] durch Erdbeben und Feuer zerstört worden. Man weist auf archäologische Auffälligkeiten hin, die mit der Eroberung J[ericho]s durch Josua in Verbindung gebracht werden könnten. Während ein feindliches Heer gewöhnlich eine Stadt vor der Ernte angriff (um die Stadt schneller aushungern zu können), sind in J[ericho] viele Vorratskrüge voller Weizen gefunden worden. Die Belagerung der Stadt müsse also nach der Ernte erfolgt sein, wie es Jos 3,15 voraussetzt. Die Belagerungszeit könne zudem nicht lang gewesen sein, da die Krüge voll gefüllt waren; dies decke sich mit der biblischen Angabe einer 7-tägigen Belagerung (vgl. Jos 6,15-20). Normalerweise hätte jeder Angreifer eine eroberte Stadt geplündert und das wertvolle Getreide mitgenommen. Den Israeliten aber war es von Gott verboten, die Stadt zu plündern (vgl. Jos 6,17-19), was sich eben in den aufgefundenen Vorratskrügen dokumentiere."
Gleason L. Archer gibt in seinem Buch "Schwer zu verstehen?" auf Seite 200 ebenfalls eine Darstellung der Faktenlage, die dem oben zitierten National Geographic-Bericht schwer zusetzt und an seiner objektiven Sicht mehr als zweifeln lässt:
Ägyptischer Skarabäus
"Das Zeugnis des Friedhofs der Stadt IV bei Tell es-Sultan (das man allgemein für den Ort des alttestamentlichen Jericho hält) lässt recht überzeugend auf das Datum um 1400 v.Chr. schließen, was völlig mit dem für den Exodus übereinstimmt. Nach mehreren Jahren gründlicher archäologischer Untersuchung entdeckte John Garstang, dass von den vielen Skarabäen, die in den Gräbern dieses Friedhofs gefunden wurden, nicht ein einziger aus der Zeit nach Amenophis III. von Ägypten datiert (1412-1376 v.Chr.). Es kann unmöglich erklärt werden, warum die gefunden Kartuschen von allen späteren Pharaonen keine Skarabäen aufweisen, wenn die Stadt IV tatsächlich Mitte des 13. Jahrhunderts zerstört wurde (wie moderne Gelehrte heute im Allgemeinen vertreten). Warum fanden sich keine Skarabäen aus der Regierungszeit der vielen Pharaonen zwischen Amenophis III. und Ramses II.? Außerdem war unter den 150 000 Tonfragmenten, die auf diesem Friedhof entdeckt wurden, nur eine einzige Scherbe mykenischer Art. Da mykenischer Keramik ab 1400 nach Palästina importiert wurde, ist es schwer erklärbar, weshalb nahezu keine auf dem Friedhof der Stadt IB gefunden wurde, es sei denn, dieser Friedhof wurde gegen 1400 v.Chr. aufgegeben."
Die Bibel ist deutlich vertrauenswürdiger, als man sie im Allgemeinen wahrnimmt und hält objektivem Hinterfragen und Forschen jederzeit stand.




Sonntag, 31. Dezember 2017

Das Frauenpastorat im Lichte des Neuen Testaments: Eine Zusammenfassung

Darf eine Frau in der Gemeinde lehren?

Eine kleine Zusammenfassung, die ich für eine Bekannte schrieb und vielleicht auch für andere Menschen nützlich sein könnte:
Ich war vor meiner Bekehrung absolut "historisch-kritisch" (liberaltheologisch). Deswegen kenne ich die Argumentation sehr gut. Gleichzeitig habe ich in dieser Zeit die Bibel eher so angesehen: Sie ist an vielen Stellen vielleicht nur ein historisches Zeugnis, sie hat auch Fehler und Widersprüche und ist TROTZDEM Gottes Wort, weil überall Gott hindurchscheint. Im Ergebnis hatte ich einen toten Glauben ohne Frucht. Es gab nichts, was meinen Glauben gerechtfertigt hätte (Jak 2, Rö 8) oder was mich sichtlich von anderen unterschied. Weder meine Ansichten, noch mein Handeln. Gott hat mir alle diese Zweifel genommen und mir einen sehr fundierten Glauben an sein Wort geschenkt. Seitdem habe ich gemerkt, dass ich mir nicht die Bibel zurechtinterpretieren sollte, sondern ich mich nach der Bibel ändern sollte und ihr folgen.
Ich glaube das biblische Zeugnis zu Homosexualität ist eindeutig. Gleichzeitig würde ich jedem homosexuellen Christen erstmal sagen: Bete darüber, ließ aufrichtig die ganze Bibel unter diesem Aspekt, besonders die Lehrbriefe (die m. M. n. alles für Christen Verbindliche beinhalten) und entscheide dann mit Gott.
Genauso sehe ich's bei der Frauenfrage: Ich bin nicht Gott, dass ich darüber endgültig urteilen kann. Ich habe das Licht, das mir der Heilige Geist darüber geschenkt hat und von dem ich überzeugt bin und alles andere ist nicht mein Verantwortungsbereich. Ja, Paulus schließt das Frauenpastorat aus.
Bei den prophetischen Eindrücken, die du erwähnst und die dich davon überzeugt haben, dass du als Pastorin mit Gottes Segen tätig sein solltest, kann ich jetzt natürlich nicht mitreden, weil ich sie nicht miterlebt habe. Allgemein glaube ich, dass der Geist nichts tut, was dem offenbarten Wort widerspricht. Im NT heißt es, dass die Gläubigen in der Lehre der Apostel verharrten (>> Lehrbriefe) und dass der Glauben ein für allemal offenbart wurde (>> Lehrbriefe), außerdem, dass der Geist in alle Wahrheit leiten würde, nach Jesu Auferstehung, was ja offenbar auch durch die Lehrbriefe geschah. Daher halte ich es für sehr fraglich, ob der Geist dann wirklich quasi sagte: Das checken die dann schon, dass das gar nicht für deren Zeit geschrieben war. Ich sage ja nur gleichzeitig, dass DAS deren Glaubensfundament für ihre Ansichten sein soll. (Mit den Lehrbriefen sind die NT-Bücher Römer bis Judas gemeint.)
Nicht ich habe etwas gegen das Frauenpastorat - Paulus hat etwas dagegen.

Es ist ein sehr sensibles Thema, aber ich hoffe, du hast gemerkt, dass ich keinen Feldzug gegen andere Meinungen führe, sondern lediglich eine Meinung habe.
(Du hattest ja gefragt, wie ich es sehe.)

Sonntag, 8. Januar 2017

Sind Jehovas Zeugen die wahre Religion, die “vom Geist geleitete Organisation”?


Cover der Wachtturm-
Studienausgabe
vom November 2016
Jehovas Zeugen leben mit der Ansicht, dass Jehova eine Organisation hat. Sie ist ihrer Meinung nach absolut biblisch begründet und eine logische Notwendigkeit. Diese Organisation existiert für sie in Form der organisierten Religion der Zeugen Jehovas, an deren Spitze sieben ältere Herren stehen, die sich selbst als die “Leitende Körperschaft” bezeichnen. Seit 2012 sieht sich diese Gruppe von älteren Männern selbst als den von Jesus in Mt. 25 erwähnten “treuen und klugen Knecht” an (in der Übersetzung der Zeugen Jehovas “treuer und verständiger Sklave”). Die Organisation der Zeugen Jehovas bezeichnen sie als “vom Geist [Gottes] geleitete Organisation”.

In der Wachtturm Studienausgabe vom November 2016 ab Seite 9 begründen Jehovas Zeugen, warum sie was wie organisiert haben und wollen dabei den Eindruck vermittelt, dass ihre Organisation voll und ganz nach biblischem Vorbild strukturiert ist.
Werfen wir einen Blick darauf und gucken wir, ob die dort gelieferten Begründungen biblisch haltbar sind. Ich empfehle, den Artikel vor oder parallel zum Lesen dieser Abhandlung zu lesen, um die Denkweise der Zeugen Jehovas besser nachvollziehen zu können. Sternchen * in dieser Abhandlung verweisen auf tiefergehende Informationen zum jeweiligen Thema, die am Ende des Blogeintrags stehen.
Erste Seite des hier behandelten
Artikels der Wachtturm-Studien-
ausgabe vom Nov. 2016

Die drei Fragen am Anfang der Artikels lauten:

Was überzeugt dich davon, dass Jehova ein unvergleichlich guter Organisator ist?
Warum ist es vernünftig zu erwarten, dass Jehovas Anbeter organisiert sind?
Wie hilft uns der Rat aus Gottes Wort, die Reinheit, den Frieden und die Einheit zu bewahren?
Wenn Jehova etwas organisieren möchte, dann wird er das als Allmächtiger Gott mit allem was dazugehört logischerweise unvergleichlich tun. Macht ihn das zu einem “unvergleichlich guten Organisator”? Möchte Gott, dass wir ihn so nennen? Was wäre der Sinn davon?

Das Wort “Organisator” an sich ist ein Substantiv. Sicherlich hätte es Jehova in der Bibel erwähnt, wenn er für seine organisatorischen Fähigkeiten bei den Menschen bekannt sein möchte. Und er beschreibt sich zwar selbst auf viele verschiedene Weisen in der Heiligen Schrift, aber nicht einmal bezeichnet er sich selbst als Organisator. Man stelle sich vor, das erste der Zehn Gebote würde wie folgt lauten:

“Ich bin Jehova, dein Organisator, der dich aus dem Land Ägypten, aus der Sklaverei, herausführt hat. Du sollst keine anderen Organisatoren neben mir haben” (Ex. 20:2, 3).

Wie in den drei Eingangsfragen des Wachtturmartikels anklingt, ist der Zweck des Artikels zu erkennen, dass alles was Jehova tut einen beachtlichen Grad der Organisation in sich birgt. Damit im Hinterkopf werden wir dann zu dem Gedanken bewogen, dass es nur eine Organisation gibt in der wir Jehova so anbeten können, wie er es möchte. Organisation müsste es demnach sein, was das Erkennungszeichen wahrer Christen ist; oder mit den Worten von Johannes 13:35 (Achtung Ironie): “Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: Wenn ihr organisiert seid.”
Die Bibel verwendet weder das Wort “Organisation”, noch spricht sie von der Notwendigkeit, organisiert zu sein, um Gottes Wohlgefallen haben zu können - die Schreiber des Artikels hatten also eine große Aufgabe vor sich: Wie beweist man die Wichtigkeit des Organisiertseins anhand der Bibel? Hierzu bedienen sich die Absätze 3 bis 5 der Astronomie. Ist das Universum auf eine uhrenwerkartige Weise organisiert? Wir konnten bislang kollidierende Galaxien nachweisen und Sterne, die eine derartige Masse erreicht hatten, dass sie kollabierten, explodierten und zu einem schwarzen Loch wurden, das alles um sich herum einsaugt. Unser Sonnensystem hat sich nach aktueller Forschung aus eine Kollision von Sternentrümmern gebildet. Einige dieser Trümmer existieren noch in einem Asteroidengürtel und am Rande unseres Sonnensystems in der sog. Oort’schen Wolke. Von dieser Wolke gehen gefährliche Kometen zur Erde hin aus und Asteroiden vom erwähnten Gürtel. Wissenschaftler glauben, dass ein hieraus resultierender Einschlag den Dinosauriern ein Ende bereitete. Das spricht alles eher weniger für minutiöse Organisation. Könnte es sein, dass Jehova Dinge in gang setzt und ihnen freien Lauf lässt? Oder liegt eine tiefere Weisheit dahinter?
Die Organisation der Zeugen Jehovas vermittelt den Gedanken, dass Jehova der große Uhrenbauer ist; dass alles, was er tut, minutiöse Organisation beinhaltet und dass es im Universum keine Zufallsereignisse gibt. Diese Ansicht deckt sich jedoch nicht mit wissenschaftlichen Beobachtungen, noch wird sie von der Bibel gestützt. Das Leben ist deutlich interessanter, als es uns JW.org glauben machen möchte.

Nichtsdestotrotz geht der Schreiber des Wachtturm-Artikels anscheinend davon aus, dass wir blind akzeptieren, dass alles im Universum akribisch organisiert sei und wir im Folgenden dann zu der Schlussfolgerung gelangen können, auch wir müssen organisiert sein, damit alles seine Richtigkeit hat. Es geht mir natürlich nicht darum, dass alles Organisierte schlecht ist, aber die Frage ist berechtigt, ob die Organisation von Gott ins Leben gerufen wurde, wie es Jehovas Zeugen schließlich behaupten.

Von Gott organisiert?

Um den Faden nicht zu verlieren, möchte ich kurz wiederholen, was der Wachtturmleser bereits weiß, wenn er sich mit diesem Artikel beschäftigt. Immer wenn die Publikationen, Videos und Broadcasts von JW.org von “Gottes Organisation” sprechen, meinen sie die Organisation der Zeugen Jehovas. Für einen kritischen Denker ist es eigentlich nicht in Ordnung, sie Gottes Organisation zu nennen, solange für einen noch nicht klar ist, ob dem wirklich so ist. Ich zitiere den Artikel im Folgenden dennoch mit dieser stark gefärbten Sprache.

Das Universum ist wirklich ein Wunderwerk der Organisation. Es muss Jehova daher am Herzen liegen, dass auch seine Anbeter gut organisiert sind. Deshalb hat Jehova uns die Bibel als Anleitung gegeben. Ein Leben ohne seine Maßstäbe und seine Organisation hätte Unglück und Elend zur Folge.- Absatz 6
Der Artikel möchte uns zu folgender Gedankenkette bringen:
Zunächst wird dargelegt, dass Jehova möchte, dass wir wie alles andere auch gut organisiert sind. Dann wird uns gesagt, dass Gott uns die Bibel gab, um uns darin anzuleiten, uns besser zu organisieren. (Sollten wir eigentlich annehmen, dass uns Jehova verwirft, falls wir den Grundsätzen der Bibel bzgl. Moral, Liebe, Glauben und Hoffnung folgen, aber NICHT entsprechend organisiert sind?) Und schließlich sollen wir erkennen, dass die Bibel nicht genug ist: Wenn wir ohne der Organisation der Zeugen Jehovas leben, werden wir unglücklich und elend enden.

Die Hilfe, von der gesprochen wird, beinhaltet ihre Interpretation der Bibel. Beispiel:

Die Bibel ist keine zusammenhanglose Sammlung jüdischer und christlicher Texte. Ihr Aufbau ist gut durchdacht — ein von Gott inspiriertes Meisterwerk. Die einzelnen Bibelbücher sind miteinander verknüpft. Vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung zieht sich ein Thema wie ein roter Faden durch die Bibel: die Rechtfertigung der Souveränität Jehovas und die Verwirklichung seines Vorsatzes für die Erde durch sein Königreich unter Christus, dem verheißenen Nachkommen. (Lies 1. Mose 3:15; Matthäus 6:10; Offenbarung 11:15.) - Absatz 7
Jehovas Zeugen erzählen uns hier also, dass das zentrale Thema der Bibel die “Rechtfertigung der Souveränität Jehovas” sei. Machen Sie doch einfach mal eine Suche in der Watchtower Library (online und auf CD verfügbar) zu den Begriffen “Rechtfertigung” und “Souveränität” und ähnliche Wörtern. Es wird Sie überraschen, dass diese Begriffe in der Bibel nicht einmal vorkommen.* Falls das Hauptthema der Bibel gar nicht das ist, was Jehovas Zeugen hier behaupten, was ist es dann? Falls wir mit Wachtturmartikeln wie diesem vom eigentlichen Zweck der Bibel weggeführt werden, dann sind wir aus christlicher Sicht doch erst Recht im Begriff “unglücklich und elend” zu enden.


JW.org - teils jüdisch, teils christlich

Um zu belegen, dass die Organisation der Zeugen Jehovas biblisch und notwendig ist, wird sich im Wachtturmartikel nun wieder auf Israel als Modell für die moderne Christenversammlung bezogen.
Die Israeliten in alter Zeit waren ein Beispiel für gute Organisation. So gab es unter dem mosaischen Gesetz „Frauen, die am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft organisierten Dienst taten“ (2. Mo. 38:8). Zogen die Israeliten mit der Stiftshütte weiter, geschah dies geordnet. Später teilte König David die Leviten und Priester in gut funktionierende Abteilungen ein (1. Chr. 23:1-6; 24:1-3). Gehorchten die Israeliten Jehova, wurden sie mit Ordnung, Frieden und Einheit gesegnet (5. Mo. 11:26, 27; 28:1-14).- Absatz 8
Natürlich waren sie organisiert, als Gott Millionen von Menschen durch die lebensfeindliche Wüste nach Kanaan schreiten ließ. Jehova ist natürlich fähig, zu organisieren, wenn ein Ziel erreicht werden soll, für das eine Organisierung notwendig ist. Als die Israeliten im Verheißenen Land ankamen und sich niederließen verschwand dieser Grad der Organisation wieder. Um genau zu sein war es die Wiedereinführung einer straffen Organisation unter einer menschlichen Autorität, die alles Erreichte wieder zunichte machte.
“In jenen Tagen gab es keinen König in Israel. Jedermann war gewohnt, zu tun, was in seinen eigenen Augen recht war” (Ri. 17:6, NW).

Das klingt kaum nach einer Organisation unter einer zentralen Autorität. Warum benutzt man eigentlich nicht diese Beschreibung als Vorbild für die moderne Christenversammlung und stattdessen die gescheiterte Struktur Israels, die durch ihren fehlgeleiteten Wunsch nach einem menschlichen König, der sie regieren sollte, entstand?

Gab es im ersten Jahrhundert eine Leitende Körperschaft?

Die Absätze 9 und 10 versuchen eine Grundlage für die heutige Leitende Körperschaft zu legen, indem dort gesagt wird, es habe im ersten Jahrhundert ein Gegenstück existiert. Dies ist jedoch nicht wahr. Bei einer einzigen Begebenheit gaben die Apostel und älteren Männer von Jerusalem eine Anweisung an alle Versammlungen jener Tage weiter, und das nur, weil Männer aus ihren eigenen Reihen das zugrundeliegende Streitthema aufbrachten. Also war es auch ihre Aufgabe, dazu Stellung zu nehmen. Darüber hinaus gibt es keinen Beweis dafür, dass sie allen Versammlungen, die auf der damaligen Welt verteilt waren, angeleitet hätten. Es ist genau das Gegenteil der Fall. Wer führte denn z.B. die Bezeichnung “Christen” ein? Sie kam aus der nichtjüdischen Versammlung in Antiochia (Apg. 11:26). Auch wurden Paulus und seine Begleiter nicht von einer Leitenden Körperschaft auf seine drei Missionsreisen entsandt. Es war wiederum die Versammlung in Antiochia, die Paulus damit beauftragte und unterstützte.**

Hältst du dich an Anweisungen?

“Sich an Anweisungen zu halten” klingt harmlos. Es ist jedoch ein Euphemismus bei Jehovas Zeugen für “kritiklosen Gehorsam”. Schnelle und bedingungslose Unterordnung unter die Anordnungen der Männer, die in der Organisation der Zeugen Jehovas die Führung innehaben, ist das, was erwartet wird.
Wie sollten sich Mitglieder von Zweig- oder Landeskomitees, Kreisaufseher oder Versammlungsälteste verhalten, wenn sie von Gottes Organisation Anweisungen bekommen? Jehova fordert uns alle in seinem Wort auf: „Gehorcht . . . und seid unterwürfig“ (5. Mo. 30:16; Heb. 13:7, 17). Eine kritische oder rebellische Einstellung ist in Gottes Organisation fehl am Platz, da sie die Liebe, den Frieden und die Einheit einer Versammlung stören könnte. Sicher möchte kein loyaler Christ so respektlos und illoyal sein wie Diotrephes. (Lies 3. Johannes 9, 10.) Fragen wir uns: Trage ich in meinem Umfeld zu einer geistig erbauenden Atmosphäre bei? Bin ich bereit, Anweisungen von verantwortlichen Brüdern sofort anzunehmen und mich daran zu halten?- Absatz 11
Die ersten beiden Sätze des 11. Absatzes führen zu dem Eindruck, dass die Bibel den Zweikomitees, Kreisaufsehern und Versammlungsältesten ans Herz legt, gehorsam und sich unterordnend gegenüber der Leitenden Körperschaft zu verhalten. Zwei Verse werden als Quelle angegeben.
In 5. Mose 30:16 geht es um die Gebote Gottes, nicht um die “Gebote von Menschen” oder die “Anweisungen” der Organisation der JZ. Und in Hebräer 13:17 geht es nicht um bedingungslosen Gehorsam bezüglich den Anweisungen von Menschen. Das griechische Wort peithó, das hier gebraucht wird, bedeutet “überzeugt sein”, “Vertrauen haben”. Nicht “gehorchen”. Wenn die Bibel davon spricht, Gott zu gehorchen, wie z.B. in Apg. 5:29, benutzt sie ein anderes griechisches Wort.*** Auf welcher Grundlage sollte man dazu bewogen sein, den Anweisungen der Ältesten, des Kreisaufsehers oder der Leitenden Körperschaft Folge zu leisten? Sollte es nicht Gottes inspiriertes Wort sein? Was also, falls die Anweisungen konträr zu diesem inspirierten Wort stehen? Wem sollten wir dann gehorchen?
Eine kritische oder rebellische Einstellung ist in Gottes Organisation fehl am Platz, da sie die Liebe, den Frieden und die Einheit einer Versammlung stören könnte. Sicher möchte kein loyaler Christ so respektlos und illoyal sein wie Diotrephes.- Absatz 11
Für den Vergleich mit Diotrephes, der bei jedem gebracht wird, der nicht bereitwillig der Leitung der Leitenden Körperschaft folgt, sollten wir im Sinn behalten, dass es der Apostel Johannes war, dem Diotrephes widerstand. Somit wird eine Parallele zwischen dem von Jesus ernannten Apostel Johannes und den selbsternannten Gliedern der Leitenden Körperschaft gezogen.
Jehovas Zeugen haben lange Zeit den Papst und andere Kirchenpersönlichkeiten in großem Maße kritisiert. Dennoch ziehen sie es nicht in Erwägung, dass sie mittlerweile vielleicht selbst eine Position wie die des Diotrephes einnehmen. Was sind überhaupt die Kriterien dafür, dass jemand als neuzeitlicher Diotrephes gilt? Wann ist es in Ordnung, einer geistlichen Autorität ungehorsam zu sein? Und können die gleichen Kriterien auch auf Zeugen Jehovas angewandt werden?

Wer ernannte Timotheus?

Um die Notwendigkeit der bedingungslosen Unterstützung der Anweisungen der Leitenden Körperschaft zu veranschaulichen wird folgendes Beispiel gebracht:
Denken wir an eine Entscheidung, die die leitende Körperschaft vor einiger Zeit traf. Im Wachtturm vom 15. November 2014 wurde in „Fragen von Lesern“ eine geänderte Vorgehensweise bei der Ernennung von Ältesten und Dienstamtgehilfen erklärt. Wie ausgeführt wurde, bevollmächtigte die leitende Körperschaft im 1. Jahrhundert reisende Aufseher, solche Ernennungen vorzunehmen. Gemäß diesem Vorbild ernennen Kreisaufseher seit dem 1. September 2014 Älteste und Dienstamtgehilfen.- Absatz 12
Als Begründung für diese Änderung wird die Struktur im ersten Jahrhundert angeführt. Wie es immer öfter der Fall ist, wird auch hier keine biblische Basis angeführt, um die Behauptung zu stützen, dass es damals so gewesen ist. Haben die älteren Männer und Apostel in Jerusalem - also das, wovon die heutige Leitende Körperschaft behauptet, es sei die Leitende Körperschaft im ersten Jahrhundert gewesen - wirklich reisende Aufseher autorisiert solche Ernennungen vorzunehmen? Timotheus ist als Beispiel in den im Absatz angeführten Bibelversen genannt. Wer hat Timotheus autorisiert, Älteste in den Versammlungen zu ernennen, die er besuchte?
“Diesen Auftrag vertraue ich dir an, Kind, Timotheus, gemäß den Voraussagen, die direkt zu dir hingeführt haben, damit du durch diese den vortrefflichen Kriegszug fortsetzest” (1. Tim. 1:18, NW).
“Vernachlässige die Gabe in dir nicht, die dir durch eine Voraussage verliehen wurde und dadurch, dass dir die Körperschaft der älteren Männer die Hände auflegte” (1. Tim. 4:14, NW).
“Gerade au diesem Grund erinnere ich dich daran, die Gabe Gottes, die durch das Auflegen meiner Hände in die ist, wie ein Feuer anzufachen” (2. Tim. 1:6, NW).

Timotheus kam aus Lystra und nicht aus Jerusalem. Von dem eben Zitierten wird klar, dass der Apostel Paulus und die Ortsältesten die Gaben des Geistes in Timotheus am Werke sahen. Das und die Voraussagen über ihn, die durch den Heiligen Geist gemacht wurden, hat sie dazu bewogen, ihm die Hände aufzulegen und ihn für die vorliegende Arbeit auszusenden. Wir könnten nun argumentieren, dass ja durch die Anwesenheit des Paulus die sogenannte Leitende Körperschaft von Jerusalem dabei mitwirkte. Doch die Schrift sagt das Gegenteil.

“Nun befanden sich in der Ortsversammlung in Antiọchia Propheten und Lehrer: Bạrnabas und auch Sịmeon, genannt Nịger, und Lụcius von Kyrẹne und Mạnaën, der mit Herodes, dem Bezirksherrscher, erzogen worden war, und Saulus. Während sie Jehova öffentlich dienten und fasteten, sprach der heilige Geist: „Sondert mir von allen Personen Bạrnabas und Saulus für das Werk aus, zu dem ich sie berufen habe.“ Da fasteten und beteten sie und legten ihnen die Hände auf und ließen sie gehen” (Apg 13:1-3, NW).

Die Berufung und Autorisierung von Saulus (Paulus), seine Dienstreisen fortzusetzen kam nicht von Jerusalem, sondern Antiochia. Sollten wir also annehmen, dass Antiochia die Leitende Körperschaft des ersten Jahrhunderts bildete? Wohl kaum. Die Schrift zeigt klar, dass alle Ernennungen vom Heiligen Geist gemacht wurden und keinem zentral organisierten Komitee oder deren reisenden Aufsehern.

Von denen überzeugt sein, die die Führung übernehmen (Heb. 13:17)

Jetzt kommt ein Hinweis im Wachtturm, dem wir wirklich folgen sollten.
“ Wir müssen den biblisch fundierten Rat der Ältesten befolgen. Diese loyalen Hirten der Organisation Gottes lassen sich von den „gesunden Worten“ aus der Bibel leiten (1. Tim. 6:3)” - Absatz. 13
Wenn der Rat auf die Bibel gestützt ist, dann sollten wir ihm unter allen Umständen nachkommen, ganz egal wo er herkommt (Mt. 23:2, 3). Dennoch müssen wir 1. Timotheus 6:3 zufolge keinem Rat folgen, der nicht auf die Bibel gestützt ist und eben nicht gesund und nützlich ist.
“Wenn jemand eine andere Lehre lehrt und den gesunden Worten, denen unseres Herrn Jesus Christus, und der Lehre, die der Gottergebenheit entspricht, nicht zustimmt, so ist er vor Stolz aufgeblasen und versteht nichts, sondern ist wegen Streitfragen und Debatten über Worte geistig krank. Aus diesen Dingen entspringen Neid, Streit, Lästerreden, böse Verdächtigungen, heftige Wortwechsel um Kleinigkeiten von seiten der Menschen, die verderbten Sinnes und der Wahrheit beraubt sind und denken, Gottergebenheit sei ein Mittel zum Gewinn” (1. Tim. 6:3-5, NW).

In solchen Fällen sollten wir also absolut nicht folgen. Ein praktisches Beispiel können wir im nächsten Absatz sehen.
“[Paulus] forderte die Ältesten auf, den unmoralischen Mann „dem Satan [zu] übergeben“ — ihn also auszuschließen. Um die Reinheit der Versammlung zu bewahren, mussten die Ältesten den „Sauerteig“ entfernen (1. Kor. 5:1, 5-7, 12). Wird heute ein reueloser Sünder ausgeschlossen, sollten wir hinter der Entscheidung der Ältesten stehen. Dadurch tragen wir zur Reinheit der Versammlung bei und möglicherweise auch dazu, dass die Person bereut und die Vergebung Jehovas sucht.” - Absatz 14
Paulus schrieb seine Briefe an ganze Versammlungen, nicht unter Verschluss an die Ältestenschaft (Kol. 4:16). Seine im Absatz zitierten Worte wurden an alle Brüder und Schwestern der Versammlung in Korinth gerichtet. Wenn wir sowohl die Mahnung, ‘einen bösen Menschen aus der Mitte zu entfernen’ und den anschließenden Appell an alle, zu vergeben, betrachten, dann sehen wir klar, dass die Versammlung angesprochen wurde und nicht nur die Ältesten (1. Kor. 5:13; 2. Kor. 2:6, 7).
Heute schließen die Ältesten hinter verschlossenen Türen einzelne Zeugen Jehovas im Geheimen aus und keiner weiß, was überhaupt die Sünde war oder weshalb derjenige ausgeschlossen wurde. Das ist im Widerspruch zu den klaren Anweisungen Jesu in Matthäus 18:15-17.**** Um dem Rat aus 1.Timotheus 6:3-5 zu folgen sollten wir den Anweisungen in Absatz 14 also nicht Folge leisten.

Die Essenz nicht erkennen

In Korinth gab es noch ein Problem, das angegangen werden musste. Einige brachten ihre Brüder vor Gericht. Paulus stellte ihnen die ernüchternde Frage: „Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun?“ (1. Kor. 6:1-8).
- Absatz 15
Absatz 15 macht einen Aufruf zur Einheit bezüglich strittigen rechtlichen Angelegenheiten zwischen Brüdern, indem er 1. Kor. 6:1-8 zitiert. Das ist ein guter Ratschlag, aber er verliert an Gewicht durch die fehlgeleitete Lehre der Organisation über die anderen Schafe. Warum? Weil die anderen Schafe gemäß der Organisation eben nicht “Engel richten” werden, was wiederum den Ausführungen Pauli in 1. Korinther 6:3 den Boden entzieht.***** “Oder wißt ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch die Welt gerichtet werden soll, seid ihr da nicht geeignet, ganz geringfügige Dinge rechtlich zu entscheiden? Wißt ihr nicht, daß wir Engel richten werden? Warum also nicht Dinge dieses Lebens?” (1. Kor. 6:2, 3; NW)

Einheit vs. Liebe

Absatz 16 appelliert an die Einheit. Liebe lässt Einheit als natürliches Resultat entstehen, aber Einheit kann eben auch ohne Liebe bestehen. Auch der Teufel und seine Dämonen haben gewisse Einheit untereinander (Mt. 12:26). Einheit ohne Liebe hat für Christen keinen Wert. Was Jehovas Zeugen eigentlich meinen, wenn sie von Einheit reden, ist Konformität, oder noch krasser ausgedrückt: Gleichschaltung. Konformität zu den Anweisungen der Leitenden Körperschaft, der Zweigbüros, der Kreisaufseher und der Ortsältesten erzeugt eine Form der Einheit, aber ist das die Art von Einheit, die Jehova Gott segnet?

Ausschlussangelegenheiten falsch gehandhabt

Absatz 17 scheint uns eigentlich ausgeglichenen, auf die Bibel gestützten Rat zu geben.
“Damit die Einheit und Reinheit einer Versammlung erhalten bleibt, müssen sich die Ältesten unverzüglich mit Rechtsangelegenheiten befassen und dabei liebevoll vorgehen.“- Absatz 17
Illustration aus: Der Wachtturm,
Studienausgabe, Nov. 2016, S. 13
Man muss nur kurz im Internet nach News oder Artikeln über Jehovas Zeugen suchen und schon wird man Informationen darüber finden, wie diese “Rechtsangelegenheiten” (gemeint sind Ausschlussverfahren) gehandhabt werden und dass diese eben nicht zu “Reinheit” und Einheit führen. Die Ausschlussregelungen sind die umstrittendsten und folgenreichsten Aspekte, wegen denen die Organisation heute in der Kritik steht.

Es ist wichtig, die Versammlung rein zu halten, aber wenn wir wir von dem Vorgehen abweichen, das unser Herr Jesus Christus vorgab, dann werden wir sicherlich Schwierigkeiten bekommen und Schande auf seinen Namen und den unseres Vaters im Himmel bringen.

Besonders deutlich wird das, wenn jemand aus freien Stücken heraus kein Zeuge Jehovas mehr sein will, ohne dass etwas vorgefallen wäre, weshalb er hätte ausgeschlossen werden können. (Bei Jehovas Zeugen nennt man das “die Gemeinschaft verlassen”.) Manchmal hat das dazu geführt, dass schwache Mitglieder wie z.B. Opfer von Kindesmisshandlung von ihrer Familie und ihrem Freundeskreis gemieden werden, wenn sie die Zeugen Jehovas deshalb verlassen haben, weil sie vom Vorgehen der Organisation empört, enttäuscht und verletzt waren (Mt. 18:6).

Wie Absatz 17 weiter beschreibt, zeigen wir zwar auf, was die Bibel uns anweist, wir halten uns nur nicht daran.
“Einige Monate später schrieb er den Korinthern einen zweiten Brief. Wie dieser zeigt, waren in der Versammlung Fortschritte zu erkennen, weil die Ältesten den Rat des Apostels umgesetzt hatten.”- Absatz 17
“Einige Monate später” wies Paulus die Versammlung an, den Mann wiederaufzunehmen. Es wird im Wachtturmartikel zwar gesagt, dass in diesem biblischen Beispiel die Wiederaufnahme “einige Monate später” bereits nach dem “Ausschluss” erfolgt war, aber davon wird kein Rat an die heutigen Ältesten abgeleitet. Jeder Älteste weiß, dass man bei Jehovas Zeugen mindestens ein Jahr ausgeschlossen sein muss, um wiederaufgenommen zu werden. Ich habe selbst einige Ältestenschaften erlebt, die sich vor dem Kreisaufseher dafür rechtfertigen mussten, dass sie jemand vor Ablauf von 12 Monaten wieder aufnahmen. Dieses ungeschriebene Gesetz wird über verschiedene Wege vermittelt. Zum Beispiel wurde auf dem regionalen Kongress im letzten Jahr (2016) ein Video abgespielt, das eine Schwester zeigte, die wegen “Hurerei” ausgeschlossen wurde. Nach 15 Jahren, als sie schon lange nicht mehr das, weshalb sie ausgeschlossen wurde, tat, hat sie sich darum bemüht, wiederaufgenommen zu werden. Passierte das sofort? Nein. Sie musste ein ganze Jahr (!) warten, bis sie wiederaufgenommen wurde. ‘Wir ehren Gott mit unseren Lippen, aber unsere Herzen sind weit von ihm entfernt’ (Mk. 7:6).

Was wirklich wichtig ist

In einer Versammlung, der Jesus Christus vorsteht, ist Liebe das wirklich wichtige Element (Joh. 13:34, 35; 1. Kor. 13:1-8). In einer Organisation jedoch, die von Menschen gestaltet wird, ist das wichtigste Gehorsam, Fügsamkeit und Konformität. Das einzige, was dort zählt, ist, dass die Anweisungen befolgt werden (Mt. 23:15).




Fußnoten

* Zu mehr Informationen, warum das gesagt werden kann, empfehle ich die Artikel: Vindicating Jehovah’s Sovereignty und Why Do Jehovah’s Witnesses Preach the Vindication of Jehovah’s Sovereignty?

** Zu der Frage, ob es im ersten Jahrhundert nun eine Leitende Körperschaft oder nicht gab, siehe: 
Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas - eine biblische Vorkehrung?
*** Für mehr Informationen zu dem verwendeten griechischen Wort und was damit gemeint ist siehe: To Obey or Not to Obey—That Is the Question

**** Für eine detaillierte Analyse, die betrachtet, wie die Organisation Bibeltexte für die Ausschlusspraxis “missbraucht”, siehe Matthew 18 Revisited, die Artikelserie Exercising Justice sowie II. Ausschluss, Gemeinschaftsentzug, Exkommunikation

***** Ein ausführliche Abhandlung zu der Lehre der anderen Schafe anhand der Bibel findet sich in den Artikeln Adopted! und Going Beyond What Is Written, sowie in Der neue Gesalbe



Dieser Artikel basiert auf einem Artikel meines Bruders Meleti Vivlon von Beroean Pickets.
Die Abkürzung "NW" steht für die Bibelübersetzung der Zeugen Jehovas ("Neue-Welt-Übersetzung").

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Verbietet die Bibel Homosexualität?

Was lehrt die Bibel wirklich über Homosexualität? 

Werden Schwule und Lesben in der Bibel verurteilt?

Auf welche Stellen wird sich hierbei bezogen? Pro? Contra?

Ursprünglich veröffentlicht am: 23.08.2015
Überarbeitet am: 21.12.2016

Der folgende Artikel soll umfassenden Aufschluss darüber geben, was die Bibel zu dem Thema sagt.
Vorweg sei gesagt: Es gibt zwei Lager. Das eine sieht in der Bibel einige Stellen, die für sie eindeutig gegen ein Gutheißen von Homosexualität sprechen. Das andere Lager stellt fest, dass alternative Übersetzungsmöglichkeiten und der literarische und kulturelle Kontext Homosexualität in der Bibel anders erscheinen lassen, als es bislang im Allgemeinen angenommen wurde.

Montag, 8. August 2016

Als Jesus vom Unglauben wütend wurde (Johannes 11:33, 38)

Jesus Lazarus Dead Mormon
Bildquelle: More Good Foundation
Als Jesus einst kam, um seinen Freund Lazarus aufzuerwecken, wurde er gleich zwei mal im Innersten empört, erschüttert, wütend, betrübt. Je nachdem wie man das verwendete Wort übersetzt (Joh. 11:33, 38).

Warum?

Lazarus, ein Freund von Jesus, starb. Jesus ereilte die Nachricht und er machte sich auf und ging zum Grabe des Lazarus, der in seiner etwas entfernten Heimatstadt begraben wurde. Er kündigte seinen Jüngern bereits an, dass er ihn auferwecken werde, wobei sie anfänglich gar nicht verstanden, was er mit der Auferweckung meinte.
Dann kam er an. Freunde und Familie des Lazarus weinten lautstark.
Und hier lesen wir zum ersten mal, dass Jesus sah wie sie weinten und fortan weiterweinten, obwohl sie doch nun bemerkten, dass Jesus da war. Sie verstanden offensichtlich nichts von seiner Macht und dass er der Sohn Gottes ist. Dennoch weinte auch Jesus, als er die große Trauer sah, von Mitgefühl bewegt.
Dann sprechen einige der Anwesenden untereinander, warum denn Jesus, wenn er doch der Sohn Gottes sei, nicht verhinderte, dass Lazarus überhaupt erst starb.
Auch hier finden wir wieder die Aussage, dass Jesus empört, betrübt, wütend war, weil die Menschen so redeten.
Er kam, um aufzuerwecken und direkt vor diesem großen Wunder zeigen die Anwesenden, wie wenig sie verstanden haben, wer gerade angekommen ist und wozu er imstande ist.

Sonntag, 27. März 2016

Die Evangelien ergründen

Die Menschen, die intensiv die Evangelien studieren, scheinen wenige geworden zu sein. Zumindest ist das der Eindruck, den man bekommt, wenn man durch riesige Buchläden geht. Die Esoterik-Ecke ist in der Regel größer als die mit christlicher Literatur, die sich bei den mir bekannten Thalias das Regal mit islamischer Literatur teilt, da anscheinend eine eigene Sektion in einem christlichen Land zu viel ist. Wie dem auch sei: Neben der Verwendung verschiedener Bibelübersetzungen bei der persönlichen Bibelrecherche, gibt es da zwei Ideen, die großartig, aber kaum mehr erhältlich sind:
  • Evangelien-Synopsen
  • Evangelien-Harmonien
Eine Evangelien-Synopse stellt die Evangelien chronologisch nebeneinander. Meistens werden dafür vier Spalten verwendet. Zum gemeinsamen Betrachten aller Evangelien auf einmal ist das eine großartige Idee - und gleichzeitig ist es eine jahrhundertealte Idee. 
Leider gibt es keine Standardsynopse zu einem vernünftigen Preis mehr, die sich in Druck befindet, aber gebraucht sind sie auch zu akzeptablen Preisen erhältlich, hier z.B, eine Synopse auf Basis der Einheitsübersetzung:



Eine Evangelien-Harmonie bildet aus den vier Evangelien einen neuen Fließtext, der sich dann wie ein Evangelium lieft, aber den Inhalt der vieren enthält. Auch diese Idee ist schon Jahrhunderte alt. Hier bspw. eine gebrauchte Evangelienharmonie auf Basis der HfA (für derzeit großartige 0,01 € plus 3,- € Versand):



Außerdem digital als PDF auf Grundlage der NeÜ:
ftp://bitflow.dyndns.org/german/NEUE/Evangelienharmonie.pdf


Wie schon öfter mal erwähnt schwebt mir schon lange vor, eine kostenlose Version der Evangelien zum Verteilen und Lesen herauszubringen. Kostenfreie Synopsen und Harmonien wären ein weiteres wunderbares Hilfsmittel für den sich Informierenden und den Christen. Ich werde weiterhin die Augen offen halten, inwieweit ich das realisieren kann.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Hinweis gute Impulse für die Evangelienbetrachtung geben konnte.

In Liebe

Kyp

Donnerstag, 26. November 2015

Was lehrte Jesus Christus wirklich? Und kann man ihm glauben?

Für die Unterseite "Jesus Christus" auf dieser Website schrieb ich eine Einführung in die Lehren Jesu Christi. Ich beginne mit dem Glauben im Allgemeinen und komme bei den Grundzügen der Lehren Jesu Christi an.



WAS LEHRTE JESUS CHRISTUS WIRKLICH?



Die Suche nach mehr

"Symbols of all religions and faiths", Bildnachweis siehe unten:


Die Menschen von heute (wir stecken gerade im 2. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts) sind nicht sonderlich an Religion interessiert. Dennoch bezeichnen sich die meisten als „irgendwie gläubig“. Religiöse Schriften wie die Bibel oder der Koran sind den meisten zu schwere Kost – die wenigsten haben sie je auch nur zu einem Viertel gelesen. Sie sind davon gelangweilt. Uralte, schwer verständliche Bücher aus der Vergangenheit mit längst überholten unwissenschaftlichen Ansichten. Nichtsdestotrotz suchen wir nach Höherem – Gibt es vielleicht doch irgendwas da draußen? Gott? Engel? In irgendeiner Weise weiter lebende Verstorbene? Im Folgenden sollen auf eine objektive Art und Weise Erkenntnisse darüber dargelegt werden. An welchen Dingen scheint mehr dran zu sein? Was sagt uns die Bibel eigentlich im Endeffekt und ist sie überhaupt glaubwürdig? Gibt es übernatürliche Dinge, die man rational nur dadurch erklären kann, indem man sie als Spinnerei abtut? Wie zieht man die Grenze?

Warum glauben Christen so viele unterschiedliche Dinge, wenn sie doch eigentlich alle an Jesus glauben? Warum gibt es völlig widersprüchliche Ansichten unter ihnen zu Themen wie Homosexualität, Sexualität und Dreieinigkeit? Sind das nicht Indizien dafür, dass das Christentum ein menschlicher Glaube ohne göttliche Führung ist?

Mittwoch, 4. November 2015

Wie Jehovas Zeugen das Denken junger Leute steuern

Aus fachlicher Sicht würde man von Indoktrination sprechen, wenn jungen (und auch älteren) Menschen Ideen "eingepflanzt" werden, die sie bei nüchternen, gesunder Betrachtung nicht glauben würden.

Jehovas Zeugen wird dies häufig unterstellt. Jehovas Zeugen verharmlosen es häufig und verweisen darauf, dass es doch eine persönliche Entscheidung der jungen Menschen sei, ob sie sich dieser Religion anschließen wollen oder nicht. Kritiker verweisen darauf, dass Jehovas Zeugen ähnlich wie Scientology Manipulationsmethoden anwenden würde.

Aber schauen wir uns doch einfach mal ein aktuelles Beispiel an und urteilen wir möglichst neutral. Am 3. November 2015 kam für junge Leute der Artikel "Leben wir in den 'letzten Tagen'?" heraus. Schauen wir ihn uns an, ob dort strategisches Indoktrinationsvorgehen erkennbar ist. Die Zielgruppe dieser nett gemachten Artikel sind meiner Erfahrung nach 10- bis 15-Jährige.

Während Seite 1 relativ harmlos ist und die Ansichten des jungen Menschen abfragt, geht es auf den nächsten Seiten ans Eingemachte. "Was sagt die Bibel dazu" lautet die Überschrift. Doch die erwähnten Bibelpassagen, die zwischen ca. 2600 und 1900 Jahren alt sind drehen sich nicht darum, ob wir in den letzten Tagen leben. Matthäus 24:7 bezieht sich offensichtlich auf die Frage, wann der Tempel zerstört werden wird (vgl. Kapitel 23), während erst ab Vers 29 auf die tatsächlichen Zeichen des bevorstehenden Endes eingegangen wird - so zumindest nach einer logischen Sicht auf Matthäus 24, wenn man das Kapitel im Kontext ließt. Es scheint eine der sinnigsten Interpretation zu sein, dass Jesus die Jahrhunderte nach seinem Tod beschreibt, die voll von Dingen wie der Inquisition, der schwarzen Pest (30 bis 40 % der europäischen Bevölkerung starb) sowie Kriegen wie dem 30-jährigen und dem 100-jährigen Krieg waren. Lukas 21:11, der als nächstes angeführt wird, spielt genau auf diese Dinge an. Dann kommt 2. Timotheus 3:1-5 dran. Ich empfehle das Lesen eines Buches über die Moralvorstellungen der römischen Gesellschaft in den Jahrhunderten vor dem Zerfall des römischen Reiches in West und Ost im 5. Jahrhundert. Heute noch wäre dies alles moralisch verpönt und undenkbar. Jeder dritte in Rom Wohnender war ein Sklave. Herrinnen hatten gut gebaute Männer als Sklaven, Herren junge Frauen/Mädchen als Sklaven. Es ist überliefert, dass diese armen Menschen ihren Herren jederzeit zur sexuellen Verfügung zu stehen hatten. Aber die Zeit heute, das Jahr 2015, sei moralisch so verdorben wie nie zuvor? Die Beispiele aus vergangenen Jahrhunderten könnten endlos ausgeführt würden und würden uns in Ehrfurcht dankbar dafür sein lassen, dass wir heute und nicht zu damaliger Zeit leben.
Doch was sagt der Wachtturm dem jungen Leser? Ich zitiere: "Die Bibel beschreibt, was sich während unserer Zeit abspielen würde." Achja? Hier erkennen wir also bereits eine undifferenzierte Meinungslenkung: Wie selbstverständlich beziehen sich die erwähnten Bibelpassagen auf unsere Zeit und nicht an moralisch verkommenere Zeiten vor uns. Leider muss man sagen, dass das das alte Spiel der Zeugen Jehovas ist: Diese Religion lebt davon, dass wir in den letzten Tagen zu leben haben. Eine alternative Interpretation ist aus ihrer Sicht nicht möglich. Dem jungen Menschen, der nun nicht das Vorwissen hat, wie es moralisch in den Jahrhunderten und Jahrtausenden vor 1914 aussah, stimmt zu. Er denkt an die spanische Grippe, die beiden Weltkriege und den Genozid an den Juden während des Dritten Reiches und schon fühlt er, dass die Bibel doch über unsere Zeit spräche. Eine objektive, ehrliche Religion könnte einem jungen Menschen wunderbare Lektionen lehren, dass diese Bibelpassagen nach Meinung anderer Menschen auf andere Zeiten angewandt werden. Doch das ist nunmal nicht das Ziel: Das Ziel ist die Übernahme der Glaubensansichten der Zeugen Jehovas.

Mit diesen Gedanken konform, lautet die nächste Frage: "Was überzeugt dich davon, dass wir in den letzten Tagen leben?". Dies inkludiert Gedanken wie: "Es ist eindeutigst, dass wir in den letzten Tagen leben. Wer das anders sieht, hat wohl Scheuklappen auf." Allgemein ist zu beobachten, dass auch 1914 und andere strittige Glaubenslehren so vermittelt werden alà: "Also wer das anders sieht, der geht doch nicht mit offenen Augen durch die Welt. Wer nicht erkennt, dass die Welt seit 1914 in den letzten Atemzügen vor dem Gericht Gottes ist, muss einen an der Waffel haben und egomanisch, hedonistisch und Gott hassend sein Leben leben." Das Problem dabei ist nur: Das sind keine rationalen Begründungen. Das ist eine emotionale Ansprache, die zu einem Exklusivitätsdenken führt. Wenn es tatsächlich so eindeutig wäre, dann könnte man doch zumindest nachvollziehbare Begründungen abliefern. Oder zumindest eingestehen, dass es so mancher aus guten Gründen auch anders sieht.

Die letzte Seite soll den jungen Leser trainieren, mit naheliegenden Einwänden umzugehen. Der junge Leser ist, wenn er aus einem Zeugen Jehovas-Elternhaus stammt, bereits der Ansicht, dass etwas Besonderes in diesen Tagen im Gange ist. Keine andere Religion würde sich noch ernsthaft nach der Bibel richten außer den Zeugen Jehovas. Deswegen seien sie ja auch die einzigen, die an eine Trennung von Gesalbten und "anderen Schafen" glauben, die Dreieinigkeit und die Hölle ablehnen, sowie den Gottesnamen Jehovas gebrauchen. In dieser Denkweise befindet sich der junge Mensch. Und nun könnte ihm ein Klassenkamerad sagen: "Aber diese angeblichen Zeichen des Endes gab es doch schon immer", oder; "Vielleicht geht es ja gar nicht um unsere Zeit, sondern um eine zukünftige." Was der junge Mensch hier schon nicht mehr checkt: Der Klassenkamerad hat recht! Deswegen glauben ja auch die meisten Christen, dass diese Zeichen seit Jesu Tod und nicht erst seit 1914 zu sehen sind. Und nicht wenige gehen davon aus, dass die Verbesserung des Lebensstandards und der Lebenserwartung verbunden mit den Errungenschaften von Menschenrechten dafür sprechen könnten, dass die Bibelschreiber einen anderen Zeitabschnitt meinten.

Doch der junge Leser soll antworten, ich zitiere: "Es stimmt, das hat es schon immer gegeben. Trotzdem denke ich, dass unsere Zeit besonders ist, weil...", und: "Diese Meinung vertreten einige. Ich denke da anders, weil..." Nein, junger Leser, du sollst nicht sagen: "Stimmt, letztlich wissen wir nicht, ob wir es richtig sehen, aber nach intensivem Bibelstudium scheint das die logischste Schlussfolgerung zu sein." Du sollst stattdessen eindeutig vertreten: "Ich glaube eindeutig im Recht zu sein und es gibt keine ernstzunehmende alternative Interpretation. Jehovas Zeugen sind die einzigen ernstzunehmenden Bibellehrer."

An diesem Artikel konnte man wirklich sehr schön analysieren, was an den Behauptungen, Jehovas Zeugen würden junge Leute indoktrinieren, dran ist. Es geht nicht um Aufrichtigkeit und objektives Wissen, sondern darum, dass Jehovas Zeugen mit ihren Ansichten eindeutig im Recht seien. Wer ein Beispiel wie dieses zu Ende denkt, der versteht auch, warum für die meisten Zeugen Jehovas die ganze Welt zusammenbricht, falls sie aussteigen. Traurigerweise sind auch Suizide keine Seltenheit. Sie haben es nie gelernt, dass die Welt nicht schwarz-weiß ist und dass man in so vielen Fragen keine klare Antwort hat. Man sollte in jungen Jahren damit umzugehen lernen, statt ein Weltanschauung, die als unumstößlich gilt, eingepumpt zu bekommen. Jesus Christus hat uns klare Lehren gegeben, an die wir uns klammern können und sollten. Und alles was darüber hinausgeht, ist eine Interpretation. Jesus ist weder den Zeugen Jehovas erschienen noch hat er einen Engel zum doktrinellen Beistand gesandt. Auch der heilige Geist hat am Abend der Leitenden Körperschaft nicht auf die Schulter geklopft und gesagt: "Eure Interpretation ist richtig - jede andere Religion liegt leider falsch." Dies geschah nicht. Nachweislich nicht. In der 130-jährigen Geschichte der Zeugen Jehovas wurden selbst Grundlehren immer wieder angepasst und geändert (Russel z.B. betete sogar noch direkt zu Jesus). Es ist somit ein Wahnsinn, zu behaupten, dass sich Jehovas Zeugen sicher sein könnten, Dinge wie die letzten Tage richtig zu verstehen. Aber genau das Gegenteil wird durch Artikel wie dem hier analysierten vermittelt: Es sei klar und eindeutig, dass die Ansicht der Zeugen Jehovas glasklar richtig ist. Als jemand der das auch mal aufrichtig glaubte, macht es mich umso trauriger, wie viel emotionaler Schaden angerichtet wird und wie viele Menschen letztlich in Verbitterung enden und dann oft auch Jesu einfache und doch so positiven Lehren ablehnen.

-----

Rechtlicher Hinweis: Im Rahmen des deutschen Zitatrechts sind in diesem Artikel Ausschnitte des verlinkten Wachtturm-Artikels zu sehen.

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Neue Interpretation von Jehovas Zeugen zum Exil in Babylon

Die neue Interpretation der neuzeitlichen babylonischen Gefangenschaft


Auf der diesjährigen Jahresversammlung wurde von Stephen Lett, einem Mitglied der Leitenden Körperschaft, bekannt gegeben, dass sich die Interpretation der neuzeitlichen babylonischen Gefangenschaft geändert hat. Es ist ein sehr interessantes Thema und eine ebenso interessante Änderung.

  • Gemäß der Bibel wurde das israelitische von der damaligen Weltmacht Babylon ins Exil nach Babylon geführt. Dies dauerte gemäß den Büchern Jesaja und Jeremia 70 Jahre an und begann nach Ansicht der meisten Forscher im Jahr 586 vor Christus. (Jehovas Zeugen nennen das Jahr 607 v. Chr.). Der Grund für dieses Exil wird in der Bibel als Strafe und Läuterung wegen der schlechten Taten der Israeliten angegeben,
  • Jehovas Zeugen glauben daran, dass es für viele Ereignisse damaliger Zeit ein neuzeitliches Gegenstück gibt. Z.B. wird Israel, nachdem es vom mosaischen Glauben abgefallen ist, mit der heutigen Christenheit gleichgesetzt, die ebenfalls vom wahren Glauben abgefallen seien.
  • Zunächst glaubten Jehovas Zeugen, das Gegenstück zum babylonischen Exil Israels wäre während des ersten Weltkriegs gewesen, als es Jehovas Zeugen während der Kriegssituation besonders in den USA sehr schwer hatten (dort wurden ihre Schriften als hetzerisch verboten).
  • Dann dachte man, dieses Exil zur Läuterung des "Volkes Gottes" hätte in den Jahren 1918 und 1919 stattgefunden, als die Führung der Organisation, allen voran dem Präsidenten Judge Rutherford, Haftstrafen verbüßen mussten, 
  • Doch nun glaubt man, dass es von dem dem 2. Jahrhundert nach Christus bis 1919 dauerte. 

Dies klingt erstmal deutlich logischer als das Herumdoktern und Hinbiegen der Jahre 1914-1919. Interessanterweise trennt man sich damit weiter von Charles Taze Russel, der seit 2012 nicht mehr als Teil des in Matthäus 24 erwähnten "treuen und verständigen Sklaven" angesehen wird*. Russel hat mindestens mit seiner Interpretation der Cheops-Pyramide als Zeichen Gottes, das auf 1914 hinweisen würde, teilweise eigenartige Lehren verbreitet. Sehr beliebt ist auch die Theorie, dass er Freimaurer gewesen sei.

Wie bei der Erläuterung der neuen Interpretation gesagt wird, seien vor 1919 wahre Christen nicht als solche erkennbar gewesen. Man verbindet dies mit Jesu Gleichnis vom Unkraut und Weizen (welche man so lange zusammen wachsen lässt, bis der Unterschied erkennbar ist. Im Orient gab es weizenähnliches Unkraut, das erst bei der Ernte erkennbar ist.). Aber ab 1919 seien dann Jesu wahre Nachfolger, ja die wahre Religion, erkennbar gewesen.

Schön wäre es, denke ich mir. Damals wie heute sind Jehovas Zeugen von falschen Glaubenslehren und unangebrachtem Extremismus durchsetzt, die nach Ansicht der meisten Christen mit den Lehren Jesu einfach unvereinbar sind. Wenn Jehovas Zeugen trotz falscher Lehren das Volk Gottes waren - ist es dann nicht widersinnig, es jeder anderen Religion abzusprechen, auch aufrichtig Jesus Nachzufolgen und es nicht zwangsläufig schlechter zu machen? Ja es mag sogar Christen geben, die keine Zeugen Jehovas sind und dennoch Jesus gewissenhafter nachfolgen. Doch dieses Urteil wird Jesus eines Tages selbst sprechen und nicht die Zeugen Jehovas (und natürlich auch nicht ich).

Was sollen das denn für falsche Glaubenslehren und unangebrachte extremistische Ansichten sein? Auf diesem Blog finden Sie viele Artikel mit einem, so hoffe ich, aufrichtigen Abgleich von dem, was Jehovas Zeugen lehren und dem, was die Bibel wirklich darüber lehrt. Hier zwei Anlaufstellen:




Fußnoten


* Vgl. hierzu den Artikel: "Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas - eine biblische Vorkehrung?"